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Film & BuchJanosch ist tot

Der Mann, der uns nach Panama geschickt hat

Der Schöpfer von Tiger, Bär und Tigerente ist mit 95 Jahren auf Teneriffa gestorben. Ein Abschied von einem, der das Glück im Einfachen fand und es mit trockenem Witz weitergab.

Von JOKE Redaktion · 04.11.2026, 10:22 Uhr · 2 Min. Lesezeit
Janosch bei der Poetentaler-Verleihung 2002
Janosch bei der Poetentaler-Verleihung 2002. Foto: Dieter Schnöpf / CC BY-SA 3.0 (Wikimedia Commons)

Manche Menschen hinterlassen Bücher. Janosch hat uns eine Ente auf Rädern hinterlassen, mit gelb-schwarzen Streifen, die bis heute über Kinderzimmerböden rollt. Der Schriftsteller und Zeichner ist am Dienstag im Alter von 95 Jahren auf Teneriffa gestorben. Das hat sein Tübinger Verleger Bernhard Feil mitgeteilt.

Geboren wurde er am 11. März 1931 als Horst Eckert im oberschlesischen Hindenburg, dem heutigen Zabrze in Polen. Seine eigene Kindheit hat er später ohne Schönfärberei als „Hölle“ beschrieben: Gewalt zu Hause, Angst, Enge. Umso erstaunlicher, was er daraus gemacht hat. Denn in seinen Geschichten ist die Welt warm, ein bisschen schief und voller Freundschaft.

Der Durchbruch kam 1978 mit „Oh, wie schön ist Panama“. Der kleine Tiger und der kleine Bär machen sich auf ins Land ihrer Träume, laufen im Kreis und landen wieder zu Hause, nur dass ihnen das alte Zuhause jetzt wie das schönste Land der Welt vorkommt. Eine Geschichte, so einfach, dass jedes Kind sie versteht, und so klug, dass Erwachsene sie heimlich ein zweites Mal lesen. Janosch selbst sagte, er habe eigentlich nur ein „Kitschbuch“ machen wollen. Laut seinem Verlag Beltz verkaufte sich das Buch weltweit mehr als zwei Millionen Mal. Bis heute gehören seine Bilderbücher zu den Dauerbrennern auf jeder Buchmesse.

Danach kamen „Post für den Tiger“, „Ich mach dich gesund, sagte der Bär“, „Lari Fari Mogelzahn“ und viele mehr. Insgesamt sind weit über hundert Bücher von ihm erschienen, manche davon in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Tiger und Bär kochen Bouillon, sammeln Waldbeeren, pflegen einander gesund. Dazu die Tigerente, die eigentlich nur eine Nebenfigur war und trotzdem auf Tassen, Socken und Schulranzen landete. Ganze Generationen sind übrigens nicht nur mit Jim Knopf, sondern auch mit „Janoschs Traumstunde“ im Fernsehen groß geworden.

Und dann war da sein Humor. Janosch war kein netter Onkel, sondern ein Querkopf. 2010 verkündete er, keine Bücher mehr schreiben zu wollen, er wolle jetzt nur noch „reisen und in der Hängematte liegen“. Er sei ohnehin unbegabt. Drei Jahre später war er trotzdem wieder da: Im ZEITmagazin philosophierte er jede Woche als „Herr Wondrak“ über das Leben, mit Bademantel, Schnaps und Lebensweisheiten, bei denen man nie genau wusste, ob man lachen oder nachdenken sollte. Meistens beides.

Seit mehr als 40 Jahren lebte Janosch auf Teneriffa, zuletzt zurückgezogen mit seiner Frau Ines. Gemeinsam gründeten die beiden eine Stiftung zum Schutz der Natur auf den Kanaren. Zu seinem 95. Geburtstag im März ließ er ausrichten, er wolle einfach seine Ruhe haben. Das passte zu ihm, genau wie der Titel seiner Biografie: „Wer fast nichts braucht, hat alles“.

Vielleicht ist das sein schönstes Erbe: der Gedanke, dass man das Glück nicht in Panama suchen muss. Manchmal reicht ein Freund, ein Topf Suppe und ein Sofa. Danke, Janosch. Und gute Reise, wohin auch immer sie geht.

Foto: Dieter Schnöpf / CC BY-SA 3.0 (Wikimedia Commons)

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