Hieronymus Bosch (um 1450–1516) galt in der Kunstgeschichte lange als „Der Fall Bosch“ – so recht wusste man nichts mit ihm anzufangen. Ein paar hundert Jahre lang war er ganz vergessen, biografische Informationen gibt es kaum, und sein Werk passt nicht so recht in seine Zeit. Die Malerei der Spätgotik und frühen Renaissance fand eher Gefallen am Realismus und der Anmut, Bosch hingegen ließ eine groteske Höllenbrut auf den Betrachter los: abscheuliche Hybridwesen aus Mensch und Tier, bucklige Dämonen, Kreaturen mit Vogelleibern und Brillen, seltsame Baummenschen und andere bizarre Gestalten. Und doch war Bosch zu seiner Zeit ein angesehener Künstler und hatte Bewunderer in höchsten Kreisen; Philipp der Schöne etwa oder Margarete von Österreich, Statthalterin der Niederlande, waren offenkundig von dieser einzigartigen Bildwelt fasziniert. Seine Gemälde wurden so häufig kopiert und imitiert, dass die Zahl der Kopien die der eigenhändigen Werke um ein Vielfaches übersteigt. Heute werden dem Künstler nur 20 Gemälde und acht Zeichnungen mit Sicherheit zugeschrieben.

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Uns tritt Bosch aus dem Dunkel seines Lebens als Rätsel entgegen. Was haben all diese fremdartigen Details auf seinen Bildern zu bedeuten? Wie haben seine Zeitgenossen diese Bildsprache gelesen? In dem aus Anlass des bevorstehenden 500. Todestages des Malers erschienenen Band beantwortet der Kunsthistoriker und ausgewiesene Bosch-Experte Stefan Fischer diese und andere Fragen und ergründet, warum Boschs Bilder so einflussreich waren. Das Buch liefert auf der Grundlage des jüngsten Forschungsstandes einen Überblick über das gesamte Schaffen des Künstlers.

Mit neuen, nach den letzten Restaurierungen der Gemälde erstmals publizierten Fotos stellt der Band das vollständige Werk vor. Alle Gemälde werden ganzseitig und in überraschenden Ausschnitten gezeigt. Die über ein Meter lange Falttafel des Garten der Lüste und zahlreiche Detailabbildungen erlauben es, die Bilderfindungen des Künstlers wirklich zu entdecken. Der Band setzt in Umfang und Qualität neue Maßstäbe.

Ein Vogelungeheuer, das Sünder verschlingt, nackte Körper in tantrischen Verrenkungen, ein Ohrenpaar, das eine geschärfte Klinge schwingt: Mit alptraumhaften Details und fantastischen Szenariensicherte sich der Niederländer Hieronymus Bosch (um 1450–1516) seinen Platz als rätselhafte Ausnahmeerscheinung in der Kunstgeschichte. Auch ein halbes Jahrtausend nach seinem Tod fesseln seine außergewöhnlichen Visionen weiterhin nicht nur die Fachwelt.

Anlässlich seines 500. Todestages präsentiert diese großformatige TASCHEN-Monografie sämtliche Bosch-Werke in ganzseitigen Reproduktionen und zahlreichen Detailvergrößerungen, die die erstaunliche kompositorische Bandbreite des Künstlers und viele verborgene Details sichtbar werden lassen. Unter der fachkundigen Anleitung des Kunsthistorikers und Bosch-Fachmanns Stefan Fischer entdecken wir die zahlreichen faszinierenden Elemente, die jede Szene bevölkern, von Zwitterwesen zwischen Mensch und Tier über malerische Körperverunstaltungen bis hin zur ironischen Verbildlichung von Sprichwörtern und Redensarten. Besonderes Augenmerk gilt Boschs wohl berühmtestem Werk, dem hypnotisierenden, furchterregenden Triptychon Garten der Lüste.

Der Autor 

Stefan Fischer studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Klassische Archäologie in Münster, Amsterdam und Bonn. 2009 legte er seine Dissertation zum Thema „Hieronymus Bosch: Malerei als Vision, Lehrbild und Kunstwerk“ vor. Seine Forschungsschwerpunkte sind die niederländische Malerei des 15. bis 17. Jahrhunderts und die Museumskunde.

Ausstellung

13. Februar 2016 – 08. Mai 2016
Bosch
Het Noordbrabants Museum, ’s-Hertogenbosch, Niederlande

 Videolink: Hieronymus Bosch

Hieronymus Bosch. Das vollständige Werk

Stefan Fischer
Hardcover mit Ausklappseite, 24 x 32,7 cm, 300 Seiten
ISBN 978-3-8365-3831-2
Ausgabe: Deutsch
Neuausgabe, nur € 29,99

Mehr unter www.taschen.de

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