Welche Geschichten bietet ein schlecht frequentierter Flughafen? Was erlebt ein großmäuliger Großstadt-Loser bei der Rückkehr in seine heimatliche Provinz? Und kann man das Thema Demenz im TV so erzählen, dass der Zuschauer guten Gewissens darüber lachen kann? Man kann! Vor allem, wenn Klaas Heufer-Umlauf und Ralf Husmann ihre Finger im Spiel haben.

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In der neuen ProSieben-Serie „Check Check“ (ab 1. April 2020, ab 21:20 Uhr in Doppelfolgen) wagt Klaas Heufer-Umlauf diese Gradwanderung. Als Hauptdarsteller und Mit-Produzent der Serie von Head-Autor Ralf Husmann verknüpft er gewohnt souverän Witz und Schlagfertigkeit mit Themen, über die man eigentlich nicht lachen sollte. Die Demenz seines Vaters Udo zwingt Jan (Klaas Heufer-Umlauf) in „Check Check“ zurück in die Heimatstadt. Dort muss er vor seinen alten Bekannten zugeben, dass er mit dem Traum vom hippen Start-Up gescheitert ist – und heuert am Security-Check des schlecht frequentierten Flughafens an …

Jan Rothe (Klaas Heufer-Umlauf, l.); Udo Rothe (Uwe Preuss, r.)

„Mir war wichtig, dass Jan einen Grund hat, in seiner Heimat zu bleiben, den jeder nachvollziehen kann“, erklärt Klaas Heufer-Umlauf die Thematisierung der Krankheit Demenz in seiner Comedy-Serie und betont: „Ich finde es wichtig, dass die Vergesslichkeit nicht zur bloßen Comedy-Nummer verkommt.“ Auch für den Schauspieler und Entertainer wäre eine Rückkehr in die Heimat zum Wohle seiner Familie denkbar: „In einer Situation wie Jan war ich zum Glück noch nicht. Dennoch glaube ich, dass ich in der Lage wäre mein eigenes Leben in einem solchen Fall hinten an zu stellen.“

Jan Rothe (Klaas Heufer-Umlauf, 2.v.l.)

Interview mit Klaas Heufer-Umlauf:

Klaas Heufer-Umlauf, Ihre neue Serie „Check Check“ erzählt die gewitzte Heldenreise eines liebenswerten Losers. Was war daran so spannend? 
Ob Jan Rothe tatsächlich so liebenswert ist, kann man in den ersten Folgen ehrlich gesagt noch nicht richtig beantworten. In erster Linie ist er ein überheblicher Großstädter, der nur sehr schwer akzeptieren kann, dass er nun wohl wieder in seiner Provinzheimat gelandet ist.

Für Jan geht es widerwillig zurück in die Heimat. Welchen Stellenwert hat Heimat für Sie?

Einen großen Stellenwert. Meiner Heimatstadt, meinen Freunden, meine Eltern, meinen Nachbar, meinen Lehrern, meiner Schule verdanke ich letztendlich alles. Wegen all dieser Dinge und Menschen bin ich heute der, der ich bin. Und dafür bin ich dankbar. Ich hatte einen guten Start ins Leben.

Jans Vater Uwe leidet zunehmend an Demenz. Wie wichtig wer es Ihnen, dieses Thema in „Check Check“ zu platzieren? 
Mir war wichtig, dass Jan einen Grund hat, in seiner Heimat zu bleiben, den jeder nachvollziehen kann. Wenn es dem eigenen Papa nicht gut geht, wird Vieles plötzlich unwichtig und lässt einen Entscheidungen treffen, die man unter normalen Umständen vermutlich nicht getroffen hätte. Außerdem habe ich oft erlebt, dass sich Menschen durch diese Krankheit auf eine Weise angenähert haben, die in ihrem normalen Verhältnis nicht möglich gewesen wäre. Das fand ich spannend.

Worauf legen Sie Wert bei der Darstellung dieser Krankheit?
Ich finde, so etwas muss man würdevoll erzählen. Ich freue mich, dass ich Uwe Preuss dafür gewinnen konnte, meinen Vater zu spielen. Er spielt es lustig und dramatisch gleichzeitig. So wie es sich eben oft auch darstellt. Ich finde es wichtig, dass die Vergesslichkeit nicht zur bloßen Comedy-Nummer verkommt. Das hat mit Uwe gut geklappt.

Wie sehr hat Sie das Schicksal von Jan und seinem Vater zum Nachdenken angeregt?
Ich stelle auch an mir fest, dass ich meine Heimat und eben auch die Daheimgebliebenen mittlerweile anders bewerte, als ich das kurz nach meinem Wegzug getan habe. Damals ging es für mich um Abgrenzung, und um das Überwinden der eigenen Angst raus in die Welt zu ziehen. Da hat es mir geholfen, zuhause alles schlecht zu reden. Mittlerweile sehe ich die Dinge anders. Objektiver und ausgewogen.

Was wären Sie selbst bereit für Ihre Eltern zu opfern, wenn diese auf Ihre Hilfe angewiesen wären? 
In einer Situation wie Jan war ich zum Glück noch nicht. Dennoch glaube ich, dass ich in der Lage wäre, in einem solchen Fall mein eigenes Leben hinten an zu stellen.

S
ie selbst hatten die Idee zu „Check Check“, produzieren die Serie und spielen die Hauptrolle. Wie kam es dazu? 
Ich hab‘ sowas vorher noch nie gemacht, und hatte Lust dazu. Es ist ja wichtig, dass man hin und wieder mal was Neues macht.

Welche Risiken und Chancen bringt das für Sie?
Das Risiko ist immer gleich: Komplettversagen und das Abliefern eines peinlichen, schlechten Produkts. Die Chancen stehen da dennoch besser. Die erste Chance ist, dass es schon beim ersten Mal ganz ok ist, und die wahrscheinlichere Chance ist, dass ich eine Menge lerne und es dann beim zweiten Mal besser mache.

Vor der Ausstrahlung auf ProSieben lief die Serie bereits beim Streaminganbieter Joyn. Inwiefern nimmt das Einfluss auf Ihre Arbeit?
Überhaupt nicht. Bis auf den Umstand, dass bei Joyn eine ganz Menge toller Leute arbeiten, mit denen die Produktionszeit viel Spaß gemacht hat. Das hilft natürlich immer.

Welche Vorteile erhoffen Sie sich von diesem Ausstrahlungsmodus?
Im Idealfall sehen es einfach noch mehr und vor allem unterschiedliche Leute. Oder dieselben drei alles doppelt und dreifach. Auch ok.

Die Dreharbeiten für Staffel 2 laufen bereits. Worauf dürfen sich die Fans freuen?
Die Securitycheck-Truppe wird den Flughafen verlassen und erstmals auch außerhalb der heiligen Hallen ihre Dienste anbieten. Außerdem gibt es Entwicklungen in der Beziehung zwischen Sabine Grünberg und Jan Rothe, denn eine neue Dame stößt zum Team.

Udo Rothe (Uwe Preuss, l.); Jan Rothe (Klaas Heufer-Umlauf, r.)

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