Simone Solga behauptet als eine der wenigen Frauen souverän einen Spitzenplatz im deutschsprachigen Polit-Kabarett. Ob als Ensemblemitglied der Leipziger Pfeffermühle, der Münchner Lach- und Schießgesellschaft oder als Solo-Kabarettistin, Simone Solga besticht mit immensem schauspielerischen Können und beeindruckt obendrein noch als umwerfende Sängerin. In ihrer Rolle als „Kanzlersouffleuse“ analysiert Simone Solga in atemberaubenden Tempo die aktuellen, gesellschaftspolitischen Themen der Berliner Republik und gewährt amüsante Einblicke in die vermeintlichen Interna des politischen Personals. Politisches Kabarett wie man es sich wünscht: erfindungsreich, frisch, kompromisslos und bissig.

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Die Politik will den Bürger künftig bei drängenden Entscheidungen mehr mitnehmen, und wer wäre geeigneter, das Bildungsbürgertum in den Kleinkunsttempeln mit einzubinden, als Simone Solga. Sie hat ihren Weg gemacht. Nun kommt sie, direkt aus Berlin, ausgestattet mit nordkoreanischer Machtfülle und russischem Humor, um den Bürgern von Limburgerhof eine Nachricht von ganz oben zukommen zu lassen, die für manche ein gutes Geschäft sein könnte. Für die Meisten eher nicht.

Seien Sie auf alles gefasst, und behaupten Sie hinterher nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt!

Ein Abend der hinterhältigen Unterhaltung, der unverblümten Beschreibung, des schonungslosen Miteinanders. Und, liebe Mitbürger, haben Sie keine Angst: Simone Solga kratzt nicht…sie schlägt zu.

Nix von wegen „blond-blauäugig-blöd …“, sondern: blond-blauäugig – blitzgescheit – bissig – brilliant! So seziert sie den Politik-Zirkus „im Auftrag der Kanzlerin“. Witzig, wortgewaltig und ohne Skrupel gibt die blonde Senkrechtstarterin ihr Debüt als „Kanzler-Souffleuse“ in Nordostbayern. Simone Solga, 1963 in Gera geboren und in Leipzig aufgewachsen, kennt sich aus mit deutsch-deutschen Befindlichkeiten. Das Temperamentsbündel derbleckt das Aktuellste aus dem Berliner und Münchener Regierungsklüngel, kolportiert, was unter den Teppich gekehrt wird. Mal locker-flockig, mal mit martialischem Mundwerk, mal mit wuselnden Wortkaskaden und mal mit satirischen Seitenhieben bekommen soviele Politiker und Institutionen ihr Fett weg, dass sie zumindest an diesem Abend auf Diät verzichten können. Und das teils mittels eines breiten Stimmenrepertoires von Politprominenz über Fußballtrainer bis zum Türkenslang, in Verbindung mit teils gehässiger Mimik, grimmigen Hohngelächter einer Zornigen, lüsternem Wimperngeblinker! – Ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus! Kostproben gibt’s schon mal in der „Anstalt“ im ZDF und im Kabarett aus Franken.

Als Ensemble-Mitglied der Leipziger „Pfeffermühle“ (1988-1993) erlebte Simone Solga den Untergang der DDR hautnah mit, war 1990 die erste ostdeutsche Kabarettistin im „Scheibenwischer“ und wechselte nach ihrem Umzug nach München ins Ensemble der „Lach- und Schießgesellschaft“ (1995 bis 2000). Darüber hinaus war sie als Schauspielerin in mehreren Filmen zu sehen. Mittlerweile lebt Simone Solga in Hamburg und tourt erfolgreich als Solistin durch die Lande. „Im Auftrag ihrer Kanzlerin“ zeigt sie, wie Lachen in Zeiten der Krisen funktioniert und entlarvt die Komiker unter den Politikern durch die Brille der „Kanzlersouffleuse“ – hinreißend komödiantisch und immer hochaktuell.

Martina Sohn aus der JOKE Redaktion hat Simone Solga getroffen und interviewt.

 

Simone Solga , Sie sind einer der wenigen weiblichen Kabarettistinnen in Deutschland. Man kennt sie auch als” die Kanzlerflüsterin”, was flüstern sie unserer Angela denn so in ihr rechtes Ohr? 

Meistens sondert sie ja verbale Placebos aus. So Platzhalter wie „Große Koalition für große Aufgaben“ – ist längst nicht mehr meine Kragenweite. Um so etwas kümmere ich mich nicht, das soufflieren ihr meine Praktikanten. Aber ein, zwei Mal im Jahr, wen sie so etwas sagt wie: „Ausspähen unter Freunden – das geht gar nicht!“ Das übernehme ich dann. Ein toller Satz. Und so schlecht zu übersetzen für die Amis. Kann man sich vorstellen, wie Obama seine Sekretärin fragt: „Sandy, please, do you know what´s the meaning of: That goes not!”

Sie sind mittlerweile zum “Mädchen für alles” aufgestiegen: Sie suchen nicht nur die Farbe ihrer 4758 Blazer aus, nein auch die Kanzlerraute ist angeblich ihre Erfindung?

Ja, ich bin sogar die „Pille“ der Merkel- weil ich ganz Schlimmes verhüte.
Wir Souffleure arbeiten außerdem geheim, die wollen das ja nicht, dass das alle wissen, dass manche Politiker mit einer Hirnleistung knapp über den lebenserhaltenden Maßnahmen arbeiten

Ich arbeite an den Schalthebeln der Macht. Das ist eine Menge wert. Ich kann die Dinge zwar nicht unbedingt in meinem Sinne beeinflussen, aber ich weiß alles aus erster Hand. Für einen neugierigen Menschen wie mich, kann es eigentlich nichts Besseres geben. Wenn ich auspacke, können die einpacken. Ich wird mich mal mit dem Snowden treffen.

Sie tragen den Titel “Deutschlands politischste Kabarettiestin”- Sie haben die Hälfte ihres Lebens in der ehemaligen DDR verbracht. Wäre das, was sie heute sind, auch aus ihnen geworden, wenn sie auf der anderen Mauerseite aufgewachsen wären?

Nein. Definitiv nicht. Unter den jetzigen Bedingungen wäre ich nicht mal Schauspielerin geworden. Ich hab diesen Beruf unter ganz anderen Umständen ergriffen. In der DDR war der Arbeitsplatz sicher, wir hatten eine solide Ausbildung und keine Zukunftsängste.
Das, was ich jetzt mache, ist ein stringenter Weg, der nur in einer Richtung für mein Leben logisch ist.

Warum gibt’s so wenig Frauen im Kabarett. Weibliche Comedians sind ja häufiger anzutreffen?

Ist das so? Es kommt drauf an, wie Sie Kabarett definieren. Es gibt schon viele Frauen, die sich auf Kabarettbühnen tummeln. Nur ganz Wenige, die sich mit politischen Themen befassen. Vielleicht trauen sich das Frauen weniger zu. Oder sie wollen nicht anecken. Oder sie interessieren sich nicht für Politik. Oder sie wollen ganz einfach nur schnell zu Lachern kommen- und das geht bei Mann/Frau Themen sehr schnell.

Politisches Kabarett findet spät abends und/oder in den 3. Programmen statt, werden die Deutschen immer dümmer- oder wollen sie verdummt werden?

Sicher wollen die Menschen nicht verdummt werden. Sie werden´s aber einfach trotzdem. Und das vielfältig und jeden Tag. Das Sein bestimmt das Bewusstsein (nicht von mir!) Kabarett bringt eben deshalb auch nicht die Einschaltquote. Es ist und bleibt ein Format für Minderheiten. Zum Glück sind ja noch Kabaretthungrige da, die Einschaltquote der „Anstalt“ ist ein Beweis.

Wohin man schaut überall nur noch Comedy, jeder 3.klassische Moderator macht mittlerweile einen auf Comedian, wird’s da auch für sie schwieriger “komisch” zu sein?
Wie finden Sie ihre Themen?

Einen schnellen Gag zu finden ist weniger zeitaufwändig, als ein gutes zweistündiges Programm auf die Beine zu stellen. Kabarett und gute Comedy sind nicht einfach!  Solange so viele Menschen (für einen hohen Eintrittspreis!) in eine Halle zum „Ablachen“ gehen, hat eben Comedy auch seine Berechtigung. Dagegen spricht nichts. Ich will ja auch nicht vorrangig komisch sein. Vielleicht schaut man sich den einen oder anderen Witzbold auch nur für eine Weile gern an. Das verbraucht sich oft recht schnell…und dann kommt der Nächste. Ich sag mal so: Humor ist nicht Lachen, sondern Verstehen. Danach immer noch zu lachen, ist wirklich guter Humor.

Zurück zu ihrem Lieblingsthema ,der Bundeskanzlerin. Eines ihrer Programme heißt” bei Merkels unterm Sofa”. Liegt da viel” Dreck” drunter oder wird der eher “unter den Teppich gekehrt”?  Was findet sich denn bei ihnen so alles darunter?

Sie kennen den Spruch „Bei Hempels unterm Sofa“? Da wird drunter geschoben UND es liegt Dreck. Und das heißt Asylpolitik, Umweltpolitik, Bildung, Energiewende, Waffenexporte …
Bei mir sammelt sich manchmal auch was an. Ich putze nur ab und an und brauch dafür keine Große Koalition zu Hause.

Vielen Dank an Simone Solga für das Interview.

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