Er hat den deutschen Humor geprägt wie kaum ein anderer: Otto, der spindeldürre Ostfriese mit dem schütteren Haar. Seit 50 Jahren steht der Spaßmacher jetzt auf der Bühne – Grund genug, den 67-Jährigen mit einer zweieinhalbstündigen Fernsehgala zu würdigen, bei der von Bully Herbig bis Jürgen von der Lippe fast alles aufläuft, was in der deutschen Comedyszene Rang und Namen hat.

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In der Show „Otto – Geboren um zu blödeln“ werden am kommenden Samstag die beliebtesten Otto-Sketche auf der Bühne neu interpretiert, Einspielfilme zeigen die Highlights aus 50 Jahren, dazu gibt es viel Musik und spontanen Schabernack mit dem „ostfriesischen Götterboten“, der 1965 seinen ersten großen Auftritt mit seiner damaligen Band „The Rustlers“ hatte – als Vorgruppe von Drafi Deutscher. Comedians wie Bülent Ceylan, Ralf Schmitz oder Max Giermann lassen mit dem blonden Blödelbarden eines ihrer Vorbilder hochleben. Otto, der vor ein paar Jahren bei der Wahl zum besten deutschsprachigen Komiker hinter Loriot und Heinz Erhardt den dritten Platz belegte, hat schon in den frühen Siebzigern die Grundlagen für den später einsetzenden Comedyboom gelegt.

Mit Lindenberg und Westernhagen in der WG

Geboren wurde Otto Waalkes am 22. Juli 1948 im ostfriesischen Emden, wo er schon früh als Scherzkeks bekannt war. Nach dem Abitur zog es den kreativen jungen Mann, der neben seiner komischen Ader auch eine beachtenswerte Begabung fürs Gitarrespielen und Zeichnen bewies, nach Hamburg, wo er unter anderem mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen in einer kreativen Wohngemeinschaft lebte. Die abendlichen Kneipenshows der damals noch komplett unbekannten Musiker waren nur mäßig erfolgreich – bis Otto zu ihnen auf die Bühne stieg und herumalberte.

„Otti“ wurde vom Fernsehen entdeckt, feierte mit Platten und Büchern riesige Erfolge und zählte in den Siebzigern neben Loriot und Didi Hallervorden zu den berühmtesten deutschen Komikern. Otto-Nummern wie „Das Wunder des Ärgerns“ über organische Abläufe im Innern des Körpers während einer Auseinandersetzung in der Kneipe („Großhirn an Blutdruck: Steigen!“) oder „Aberglaube“, in der er als verkrampfter Prediger mit dicker Brille vor den Verirrungen des Aberglaubens warnt, zählen zu den humoristischen Highlights der deutschen Fernsehgeschichte.

Gleich der erste Film war ein Hit

In den achtziger Jahren wandte sich die „Original Friesenmischung“, wie Otto sich auf einer seiner CDs bezeichnet, dem Kino zu. Die zuletzt von ihm produzierte Horrorkomödie „Kartoffelsalat – Nicht fragen!“ floppte bei den Kritikern, aber meistens traf Otto Waalkes doch genau den Publikumsgeschmack.

Gleich mit seinem ersten Werk landete er einen Volltreffer: „Otto – Der Film“ aus dem Jahr 1985 gilt mit fast neun Millionen Zuschauern als einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Filme aller Zeiten. Unvergessen vor allem die Szene, in der Otto den Schlagerbarden Heino veralbert, indem er zum Beat von Michael Jacksons „Thriller“ Untote, die wie der Schnulzensänger aussehen, aus ihren Gräbern steigen lässt.

Einen großen Erfolg feierte der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Schöpfer des Ottifanten auch 2006 mit der Märchenparodie „7 Zwerge“ sowie als Synchronsprecher in den „Ice Age“-Filmen.

Otto – Geboren um zu blödeln“ läuft am 14. November um 20:15 Uhr im ZDF.

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