Das Stuttgarter Kabarettfestival liefert alljährlich den Rahmen für den Kleinkunst-Wettbewerb „Stuttgarter Besen“, der vom Renitenztheater in Kooperation mit der Stadt Stuttgart. In der mittlerweile 19. Auflage stellen sich auch in diesem Jahr acht Künstlerinnen und Künstler, Comedians und Musik-Kabarettisten dem Wettbewerb. Ermittelt werden die Sieger des goldenen, silbernen und  hölzernen Besens. Zudem entscheidet das Publikum live vor Ort über den Sieger des Publikumsbesens.

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Die acht Künstlerinnen und Künstler, die am 12. April 2016 gegeneinander antreten:

Martina Brandl aus Geislingen an der Steige ist frischgekürte Kleinkunst-Preisträgerin des Landes Baden-Württemberg. Und für Thomas Hermanns ist sie die »Göttin aus Geislingen«. Ob sie ihre Themen speziell aus diesem Bundesland bezieht, ist nicht überliefert. Stoff gäbe es sicherlich genug. Und die Badische Zeitung schreibt: „Wer von Berlin nach Geis lingen an der Steige umzieht, muss jede Menge Selbstironie haben.“ Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

Idil Baydar aus Celle fordert: »Deutschland, wir müssen reden!« Ob in der Rolle als Ghettobraut Jilet Ayse oder als das Berliner Original Gerda Grischke– die Tochter türkischer Eltern enttarnt Klischees in Verhalten und Denken unterschiedlicher Kulturen. Und zeigt: Integration kann verwirrend, ernüchternd, spannend, anstrengend und lustig zugleich sein. Auf youtube hat sie es so zu Millionen Fans geschafft. Und seit 2014 erfrischt sie die Kabarettszene mit ihrer ungewöhnlichen Art.

Alain Frei aus Solothurn/Schweiz geht neue Wege. Als Schweizer nimmt er Abschied von der Neutralität. Was so mancher als Dilemma sehen dürfte, ist für Frei Freiheit. Er darf anecken. Darf mit Gewohnheiten brechen. Darf Gott und die Welt unter die Lupe nehmen. Nimmt die Generation Facebook ins Visier und klammert Rassismus und Vorurteile nicht aus. Für ihn als Teil der Comedytruppe RebellComedy ein zwangsläufiger Weg.

Friedemann Weise aus Köln bezeichnet seinen Stil selbst als »Satire-pop«. Meistens weiß man bei ihm aber nicht, was lustiger ist: der Text im Song oder die Gedanken davor. Sicher ist, Weise  stellt Fragen, die keiner zuvor stellte. Oder stellen wollte. Mit Antworten, die keiner erwartet. Oder keiner braucht. „Der große Kleinkunstschwindel“ heißt sein erstes Programm. Und es zeigt auf absurde Weise den Reiz der eigenen Wahrheitsfindung. 

Masud aus Berlin ist nicht so leicht (be-)greifbar. Er spielt auf der Bühne den Unsicheren, weil es ihn sicher macht. Er ist zwischen 24 und 34, Perser, will aber keine Ethno-Comedy machen. Wer Schubladen-Comedy mit Migrationshintergrund erwartet, ist hier fehl am Platz. Auch wenn er über sein Heimatland spricht, so handeln seine Erzählungen von mehr als Atomkraftwerken und Tausendundeiner Nacht. „Who the fuck is Masud Akbarzadeh !?“ fragt er. Und damit fängt alles erst an.

Johannes Flöck aus Koblenz nimmt deutliche Veränderungen in seinem Leben wahr. Zumindest, seit er 40 geworden ist: „Ich sehe die Welt jetzt mit anderen Augen – und das klappt sehr gut, dank nachlassender Sehstärke.“ In einer Zeit, in der „Happy“ und „Birth-day“ getrennte Wege gehen und der Kopf Vorschläge erteilt, die der Körper nicht mehr erfüllen kann oder will, begegnet Flöck dem Wandel mit Pragmatismus. „Neues vom Altern“ heißt sein Programm – vermutlich mit täglich neuen Details.

OnkelFisch aus Köln sind anders, weil sie Kabarett und Entertainment auf eine intelligente Art miteinander verquicken. Die beiden ausgebildeten Schauspieler Adrian Engels und Markus Riedinger sind mit ihrem Action-Kabarett bereits seit Jahren unterwegs.

Ingmar Stadelmann aus Salzwedel ohne Mikrofon – kaum vorstellbar. Jahrelang hat der Comedian sein Mundwerk bei verschiedenen Radiosendern trainiert. So war es nur noch eine Frage der Zeit, bis Stadelmann vor vier Jahren mit seinem ersten Soloprogramm auf Deutschlands Bühnen losgelassen wurde. Er schafft es, mit seiner bissigen und provokanten Art die Grenzen zwischen Kabarett und Comedy aufzulösen. Sein neues Programm „#humorphob“ macht da keine Ausnahme.

Die Preise im Gesamtwert von 8.200 Euro stiftet die Stadt Stuttgart: Goldener Besen: 3.000,- EUR, Silberner Besen: 2.000,- EUR, Hölzerner Besen: 1.500,- EUR, Publikumspreis: 1.700,- EUR.

Als Moderator wird wieder der Lörracher Kabarettist Florian Schroeder (Preisträger Silberner Besen 2006) durch den Abend führen. Vielen Kabarettfreunden ist er als Moderator der SWR Fernsehsendung „Spätschicht“ bekannt. Schroeder hat trotz seines jungen Alters nahezu alle Bühnen Deutschlands bespielt. Seit mehr zehn Jahren steht er mit eigenen Solo-Programmen auf der Bühne. Mittlerweile hat sich der mehrfach preisgekrönte Künstler zu einem der führenden politischen Kabarettisten des Landes entwickelt.

Den Juryvorsitz hat in diesem Jahr der Kabarettist Thomas Freitag inne. Noch am Abend ermittelt die Jury die Preisträger. Zum Jurorenteam gehören Petra Bail (Esslinger Zeitung), Petra Hallmayer (Süddeutsche Zeitung), Ruprecht Skasa-Weiß (Stuttgarter Zeitung), Rüdiger Meyke (Kulturamt), Sebastian Weingarten (Renitenztheater) und Jürgen Stark (SWR Fernsehen).

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