Der Sieger des 21. Hallertauer Kleinkunstpreises heißt Volker Weininger. Mit Auszügen aus seinem neuen Programm „Bildung. Macht. Schule“ begeisterte der Kabarettist aus Bonn Unterpindhart Jury und Publikum gleichermaßen.

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In der gesamten Geschichte des Wettbewerbs „hat es eine solche Einigkeit in der Bewertung noch nicht gegeben“, verrät Karl Rockermeier, Wirt des gleichnamigen Landgasthofs im kleinen Geisenfelder Ortsteil Unterpindhart und Mitorganisator der Veranstaltung. Eine wirkliche „Gefahr“ für Volker Weininger hätte an diesem Abend nur einer werden können: Wolfgang Krebs. Doch der trat als umjubelter Moderator in Gestalt Edmund Stoibers außer Konkurrenz an.

Kaum auf der Bühne hat Weininger seine Zuhörer schon für sich gewonnen. Der rheinische Charme tut auch in Bayern seine Wirkung. Kleinkariertes Hemd und Cordhose gaukeln Hausbackenheit vor, sind aber schnell als Tarnung für einen guten Beobachter entlarvt. Weininger verpackt Realsatire „zwischen Humboldt und Humbug“ in herrlich skurrile Szenarien mit punktgenauen Pointen. Wenn er Originalantworten von Schülern auf Prüfungsfragen zitiert (die etwa „Sophie und Mehmet Scholl“ zum Widerstand gegen die Nazis zählen und in Leibniz den „Entdecker“ gleichnamigen Kekses sehen), bleibt es nicht beim platten Schenkelklopfer. Er entwickelt die Gedanken weiter, führt sie konsequent ad absurdum, bis man Tränen lacht. Brandaktuell und böse nimmt er aber auch die „Dummheit der Erwachsenen“ ins Visier – von Erdogan über Terroristen bis zu jenen „besorgten Bürgern“, die fürchten, Flüchtlinge könnten ihnen „die Kultur stehlen“. Wo man doch bekanntlich einem nackten Mann nichts aus der Tasche ziehen kann . . .

Gegen drei Mitstreiter setzte der bereits 2012 für sein zweites Programm „Euer Senf in meinem Leben“ mit etlichen Preisen wie dem Reinheimer Satirelöwen ausgezeichnete Kabarettist sich durch. Dicht hinter ihm landeten die vier Burschen von Gankino Circus aus Dietenhofen dank eines fulminanten Parforceritts durch die Welt der Volksmusik. Eher ruhigere Töne schlug die Drittplatzierte Roswitha Spielberger aus Aßling als urbayrische „Stianghausratschn“ bei ihrem humorigen Blick auf „Szenen einer Ehe“ mit Gitarre, Gesang und Handpuppen an.
Lisa Catena, Komikerin aus Bern, nahm hingegen die politische Großwetterlage aus der Sicht einer Schweizerin ins Visier. Durchaus mit Tiefgang, aber offenbar nicht mit genügend Verve um sich weiter vorne zu platzieren.
Neben der Siegertrophäe – ein Gleisstück der historischen Bockerlbahn – darf sich Weiniger nun über ein von der Hallertauer Volksbank gestiftetes Preisgeld in Höhe von 1500 Euro freuen. Der Abend habe ihm „total Spaß gemacht“, bekennt der 45-Jährige, der zunächst Englisch und Deutsch fürs Lehramt studierte. Erst 2009 startete als
„Spätberufener“ mit seinem Soloprogramm „Bestatten: Weininger!“ die humoristische Karriere, in deren Verlauf er sich auch als Autor und gefragter Redner im Kölner Karneval einen Namen gemacht hat.

Dass die Zuhörer in Unterpindhart gleich zu Beginn seine Spontaneität mit Zwischenrufen („Kannst du auch Bayrisch“) auf die Probe gestellt hatten, sei für ihn „ein schöner Einstieg“ gewesen, verrät der Preisträger. Allerdings habe er sich bei aller Freude am Improvisieren nicht zu lange darauf einlassen können, saß ihm doch „der Zeitdruck im Nacken“. Sich in 20 Minuten zu präsentieren zu müssen, sei nämlich durchaus „spannend“.
Vereinzelte Auftritte im Freistaat hatte Weininger bereits. Nun hofft er, infolge der aktuellen Auszeichnung würden ihm „in Bayern vielleicht ein paar Türen geöffnet“. Jene des Pindharter Brettl sind es schon. Denn wie jeder Sieger des Kleinkunstpreises darf er in der nächsten Saison einen kompletten Abend füllen.

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Vom Geheimtipp avancierte Volker Weininger in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe in der deutschen Kabarettlandschaft. Das Lehrerpult tauschte der Wortkünstler gegen die Bühne, auf der er gleichermaßen mit spitzzüngigen Analysen zu Politik und Gesellschaft und Beobachtungen aus dem Leben begeistert.

Seit seiner Kabarettpremiere 2009 hat Volker Weininger bereits viele Kleinkunstbühnen im ganzen Land gesehen. Neben dem begeisterten Publikum überzeugt er auch Fachjurys und die Medien mit seinem scharfen Witz und seinen gekonnt feinsinnigen Analysen.

Aktuell tourt Volker Weininger mit zwei Solo-Kabarettprogrammen: „Bildung. Macht. Schule.“ ist das neueste Programm aus seiner Feder, das im Herbst 2015 Premiere feierte. Das vielfach ausgezeichnete Programm „Euer Senf in meinem Leben“ erfreut sich weiterhin großen Zuspruchs.

„Bildung. Macht. Schule.“

Weiningers neuestes Kabarettprogramm nimmt das Publikum mit auf einen Streifzug durch das deutsche Bildungssystem und reflektiert über Bildung zwischen Ideal und Wirklichkeit, zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen Humboldt und Humbug. Volker Weiniger hat auf Lehramt studiert, er weiß, wovon er redet. In „Bildung“ steckt „Dung“ ja schon drin. Aber ist echt alles Mist? Allgemeinbildung, Herzensbildung, Bodybuilding. Was ist wirklich wichtig – und wer bestimmt das? Frühförderung, Kita, Selektion, Hörsaal, Job, Straße. Wer gewinnt, wer verliert? Und wer kümmert sich um die, die nix mehr zu verlieren haben? Im Zweifelsfall die Falschen: Fehlt die Aufklärung, freut sich der Radikale. Und eins ist klar: Wer die Bildung hat, steuert die Macht, und wer die Macht hat, steuert die Bildung.

Dieses Programm hat es in sich. Wir raten – gut zuhören und ruhig mitschreiben: Könnte alles prüfungsrelevant sein.

„Euer Senf in meinem Leben“

Für seine aberwitzigen Verknüpfungen und abstrusen Analysen in „Euer Senf in meinem Leben“ wurde Volker Weininger u.a. mit dem Niederrheinischen Kabarettpreis „Das Schwarze Schaf“, dem Jurypreis des „Reinheimer Satirelöwen“ und dem Publikumspreis beim „Paulaner Solo“ ausgezeichnet.

Und sein Publikum gibt ihm Recht – das Leben ist aber auch ein kompliziertes Kerlchen! Von allen Seiten prasseln die Meinungen auf uns nieder und weit und breit kein Rettungsschirm in Sicht: Politiker, Experten, Eltern, Medien, Gesetze, Internet – alle geben ihren Senf dazu. Gar nicht so einfach, da den Überblick zu behalten. Weininger versucht, Struktur ins Meinungschaos zur bringen und kommt dabei selber vom Hölzchen aufs Stöckchen. Denn Volker Weininger ist ein Erzähler im besten Sinne. Mit satirischer Beobachtungsgabe findet er Übergänge und Zusammenhänge, wo eigentlich gar keine sind. Subtile Ironie, knochenharte Kommentare – in diesem Programm wird genüsslich und intelligent ausgeteilt. Der Rheinländer weiß genau, wie er seine scheinbar rheinische Naivität gekonnt einsetzt.

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